Was sind wichtige Prädiktoren für eine wahrgenommene Stigmatisierung bei Patienten mit Psoriasis? Kommentar zu „Bedeutung des chronischen Pruritus für die intrapersonale Belastung und zwischenmenschliche Erfahrungen von Stigmatisierung und Sexualität bei Patienten mit Psoriasis“ von R. Sommer et al.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedete 2014 eine Resolution zu Psoriasis, die folgenden Satz enthielt: „Alle Mitgliedstaaten haben die Belastung durch Psoriasis erkannt und sich verpflichtet, ihre Anstrengungen zur Bekämpfung der Stigmatisierung und unnötigen Ausgrenzung von Menschen mit Psoriasis zu verstärken“.1 Die psychosoziale Komponente der Erkrankung wurde damit erkannt und explizit erwähnt. Ein weiteres Ergebnis dieser Konferenz war das Ziel, einen „Global Report on Psoriasis“ zu veröffentlichen, der seit nunmehr 5 Jahren vorliegt. In diesem Bericht werden unter anderem psychische Probleme im Zusammenhang mit Psoriasis dargestellt. Trotz neuer, oft wirksamer Behandlungsoptionen wie Biologika gilt die Schuppenflechte immer noch als stark stigmatisierende Erkrankung. Eine fragebogenbasierte Studie, in der gesunden Probanden Bilder verschiedener Dermatosen gezeigt wurden, ergab, dass Psoriasis als störender als jede andere untersuchte Dermatose außer Herpes labialis angesehen wurde und dass Psoriasis die Hauterkrankung war, die am häufigsten Mitleid hervorrief.2

Neben einer wahrgenommenen Stigmatisierung berichten Psoriasis-Patienten von schweren Beeinträchtigungen der Lebensqualität,1 verminderte Zufriedenheit mit ihrer Sexualität3 und haben eine erhöhte Anfälligkeit für Depressionen, Angststörungen und Suizidgedanken.4

Häufige körperliche Symptome der Psoriasis sind Schuppung der Haut, Juckreiz oder Kratzen, Erythem, Hautausschlag, Hautschmerzen und Blutungen (alle diese Symptome treten mit einer Prävalenz von 57–92% auf).1

Prädiktoren einer wahrgenommenen Stigmatisierung bei Psoriasis-Patienten wurden bereits untersucht.5 Juckreiz wurde in dieser Studie jedoch nicht explizit als Prädiktorvariable erfasst. Die folgenden Variablen erwiesen sich als die wichtigsten Prädiktoren für Stigmatisierungsgefühle: höhere Krankheitsauswirkung, geringeres Alter, niedrigere Bildung, größere Krankheitssichtbarkeit, längere Krankheitsdauer, höhere Krankheitsschwere und höhere soziale Hemmung.5 Wenn soziale Hemmung als Persönlichkeitsmerkmal angesehen wird, stellt sie ein Konstrukt dar, das mit Stigmatisierung verbunden ist. Menschen mit hohen Werten auf dieser Skala neigen dazu, sich in sozialen Interaktionen gehemmt zu fühlen, was als Folge einer Stigmatisierung angesehen werden kann. Es überrascht daher nicht, dass sich dieser Faktor in dieser Studie als signifikanter Prädiktor für Stigmatisierung herausstellte.5

Die kürzlich erschienene Studie von Sommer et al.6 untersuchten bei einer Stichprobe von 107 Patienten den Zusammenhang zwischen Pruritus als einem der wichtigsten Symptome der Psoriasis und zwischenmenschlichen Erfahrungen von Stigmatisierung und Beeinträchtigung der Sexualität. Die Autoren verwendeten viele der Fragebögen, die zuvor in einem großen (nein = 5487 Patienten mit unterschiedlichen Dermatosen und 2808 gesunde Hautkontrollen) multizentrische Studie der European Society for Dermatology and Psychiatry (ESDAP-II-Studie; siehe auch veröffentlichtes Studienprotokoll von Dalgard et al.7). Zusätzlich zu diesen Variablen hat Sommer et al.6 aufgezeichnete sexuelle Probleme, Lebensqualität, Patientennutzen und Schwere der Erkrankung.

Ein erstes Ergebnis war, dass Patienten mit mittelschwerem bis schwerem akutem Pruritus keine stärkere Stigmatisierung und/oder Beeinträchtigung ihrer Sexualität erfuhren als Patienten mit leichtem oder keinem Pruritus. In Übereinstimmung mit diesem Ergebnis war der Schweregrad des Pruritus nicht signifikant mit einer wahrgenommenen Stigmatisierung oder sexuellen Dysfunktion verbunden. In der Regressionsanalyse zeigte sich jedoch, dass die Kratzhäufigkeit ein signifikanter Prädiktor für das Stigmatisierungserlebnis ist. Dies ist nicht verwunderlich, da das Kratzverhalten ein Indikator für die sichtbare Komponente des Juckreiz-Kratzzyklus ist und somit den relevantesten Faktor für soziale Interaktionen darstellt. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass der Schweregrad der Psoriasis signifikant mit beiden Zielvariablen assoziiert ist, der wahrgenommenen Stigmatisierung und der sexuellen Dysfunktion. Dieses Ergebnis kann so interpretiert werden, dass die Größe des betroffenen Hautareals, Rötungen und Schuppungen im Rahmen des PASI die Sichtbarkeit der Erkrankung verdeutlichen, was natürlich ein wichtiger Faktor bei Attraktivitätsverlust, Unzufriedenheit sein sollte mit zwischenmenschlichen Beziehungen und sozialer Ausgrenzung.

Zusammengefasst sind die Studien von Sommer et al.6 und van Beugen et al.5 schlagen vor, dass diejenigen Aspekte der Krankheit, die in sozialen Interaktionen auffallen, als wichtige Faktoren angesehen werden sollten, die die Erfahrung von Stigmatisierung auslösen.

Neben diesen Befunden zeigte sich, dass Patienten mit Psoriasis eine erhöhte Anfälligkeit für psychiatrische Komorbiditäten aufwiesen und mehr Suizidgedanken berichteten.4 Wer stark von der Krankheit betroffen ist, hat zudem ein höheres Risiko, sich stigmatisiert zu fühlen.5, 6 Patienten mit Schuppenflechte sind somit nicht nur durch die Krankheitssymptome beeinträchtigt, sondern haben auch eine hohe psychosoziale Belastung. Ob die wichtigen Ergebnisse zur wahrgenommenen Stigmatisierung spezifisch für Patienten mit Psoriasis sind oder auch für Patienten mit anderen sichtbaren Hauterkrankungen gelten, bleibt bislang unklar. Die oben erwähnte ESDAP-Studie-II7 Ergebnisse liefern, die zur Klärung dieser Frage beitragen können.

Unabhängig davon ist die Studie von Sommer et al.6 liefert zusätzliche Belege dafür, dass die psychosomatische Mitbetreuung dieser Patientengruppe und die Entstigmatisierung der Erkrankung durch Aufklärungskampagnen dringend notwendig sind, um eine nachhaltige Behandlung zu etablieren.

Dies ist ein automatisch übersetzter Artikel aus dem „Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology“. Er kann nur einer groben Orientierung dienen. Das Original gibt es hier.

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